Anny Dollschein besuchte ab 1915 die Privatmalschule von Friedericke von Koch in Graz anfangs jedoch ohne eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen zu wollen. Erst nach den Umwälzungen, die der Erste Weltkrieg für sie und Ihre Familie, die plötzlich verarmt war, brachte, begann sie mit einer systematischen künstlerischen Ausbildung. Sie besuchte den Abendakt bei Anton Marussig und inskribierte an der Landeskunstschule Graz. 1920 trat Dollschein dem avantgardistischen Künstlerbund Freiland bei, dessen Ziel es war, vergleichbar dem Bauhaus in Deutschland, unterschiedliche Kunstsparten zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Sie schloss sich dem Grazer Marionettentheater an und bekam gute Kritiken als Puppenspielerin. Aufgrund ihrer schwierigen finanziellen Situation arbeitete sie auch als Erzieherin und konnte sich erst in den 30er Jahren wieder verstärkt der Kunst widmen. 1930 fuhr sie erstmals nach Paris und zog von 1932-3 schließlich ganz dahin, um an der Malschule von André Lhote zu studieren. Nach ihrer Rückkehr aus Paris setzte sie ihre Studien bei Alfred Wickenburg in Graz fort. Ab 1938 arbeitete sie verstärkt als Gebrauchsgraphikerin, glich ihren Stil jedoch aus Angst und Verunsicherung der bodenständigen Linie der nationalsozialistischen Ästhetik an. Im Herbst 2008 veranstaltete die Neue Galerie am Landesmuseum Johanneum eine Retrospektive über die Künstlerin.








